Behandlung von Somatisierungsstörungen

Langandauernde körperliche Beschwerden, bei denen trotz eingehender Untersuchungen keine körperliche Erkrankung diagnostiziert werden kann, weisen oft auf eine Somatisierungsstörung hin. Ein Großteil der Betroffenen leidet unter multiplen körperlichen Beschwerden, die meist mehreren Organsystemen zuzuordnen sind. Häufig kommen Schmerzsymptome (z. B. Rückenschmerzen, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Bauchschmerzen), gastrointestinale Symptome (z. B. Völlegefühl, Blähungen, Druckgefühl im Bauch) und Beschwerden vor, die mit dem kardiovaskulären System (z. B. Schweißausbrüche, Palpitationen, leichte Erschöpfbarkeit) assoziiert sind. Als besonders schlimm erleben es viele Patienten, dass sie sich durch uneindeutige oder fehlende körperliche Befunde als „Simulant“ oder „Psycherl“ abgestempelt fühlen. Darüber hinaus erhalten sie weder ein schlüssiges medizinisches Erklärungsmodell noch eine adäquate Behandlung für die erlebten körperlichen Beschwerden. In der Folge entwickeln viele Patienten eine auf ihre Körpersymptome bezogene Ängstlichkeit, da sie befürchten, „es könnte doch was Ernstes dahinter stecken“. Sie suchen, in der Hoffnung endlich eine medizinische Ursache zu finden und endlich die richtige Behandlung zu bekommen, überdurchschnittlich häufig diverse Ärzte auf.

Auf einem in der Regel langen Leidensweg erleben unsere Patienten oft viele frustrierende Erlebnisse. Abgeleitet aus dem dargestellten Störungsbild setzen wir unsere Behandlung psychosomatisch an: Wir nehmen den Patienten im Erleben seiner körperlichen Beschwerden ernst und bieten ihm nach eingehender Sichtung der Vorbefunde und nach unserer eigenen medizinischen sowie psychischen Diagnostik, Möglichkeiten an, mit seiner Erkrankung bzw. seinen Symptomen besser umzugehen.

Als Behandlungsziele möchten wir in Anlehnung an Rief und Hiller (2009) ein adäquates individuelles Erklärungsmodells der Erkrankung erarbeiten.Unsere Patienten lernen Techniken und Möglichkeiten, ihre Beschwerden besser zu beeinflussen, einen überhöhten Medikamentenkonsum abzubauen, überhäufige Arztbesuche oder Arbeitsunfähigkeitszeiten zu reduzieren und ihr Bedürfnis nach Rückversicherung und Kontrollverhaltensweisen zu minimieren. Gleichzeitig möchten wir neue Ressourcen erschließen. Die Patienten lernen, ihr Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit, Bewältigungsstrategien und Selbstwirksamkeitserleben zu steigern und realistische Vorstellungen von Gesundheit aufzubauen. Wir besprechen familiäre und/oder berufliche Stressfaktoren und suchen gemeinsam nach Lösungen, wie der Stress reduziert werden kann, damit die Gesundheit erhalten bleibt oder verbessert wird. Schließlich arbeiten wir darauf hin, dass der Patient wieder eine aktive und mitgestaltende Rolle in/mit der Familie oder im Freundeskreis ausfüllt und wieder Freude daran hat, angenehme Aktivitäten auszuüben.

Zur Behandlung von Patienten mit einer Somatisierungsstörung greifen wir in aller Regel auf folgende Behandlungsbausteine zurück:

  • störungsübergreifende verhaltenstherapeutische, gesprächspsychotherapeutische oder psychodynamische Gruppentherapie
  • Einzeltherapie inkl. Informationsvermittlung zur Störung, Einsatz von Symptomtagebüchern und Konfrontationsübungen mit Körperempfindungen
  • Entspannungsübungen
  • Atemtherapie
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Selbstsicherheitstraining
  • Stressbewältigung
  • Genusstraining

Bei Bedarf kann auch Biofeedback eingesetzt werden.

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